01.09.2014 Saarbrücken

Pressemeldung zur 402. Saarbrücker Montagsdemo gegen die Hartz-Gesetze am 01. September 2014

Herausgefordert durch das Datum „1. September 2014 – 75 Jahre nach Entfesselung des 2. Weltkriegs“ war die heutige Montagsdemo eine eindeutige Protestaktion gegen die rasant wachsende Kriegsgefahr.

Nach der kurzen Demonstration von der Europagalerie zur Thalia-Buchhandlung trafen die Demonstranten auf einen Infostand der MLPD, die dort bereits den Nachmittag über für den Kauf eines bemerkenswerten Buches „Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?“ geworben hatte.

Ein Sketch zu Beginn stellte einen Zusammenhang her zwischen Hartz-Gesetzen und der zunehmenden Militarisierung der Gesellschaft. Darin äusserte sich eine Frau: „Stell Dir vor, das Jobcenter betreibt Hilfsdienste für die Bundeswehr! Geschulte Bundeswehroffiziere heuern jugendliche Arbeitslose an für’s Militär und nutzen deren besch…Lage schamlos aus. Erst hast Du als Jugendlicher keine Arbeit und dann kannst du den Kopf hinhalten und Andre töten. Die Banker und Politiker machen sich nicht selbst die Hände schmutzig für ihre Einflussgebiete in aller Welt. Diese Art der Arbeitsvermittlung ist eine Sauerei, finde ich, damit muss jetzt Schluss sein!…“
Ein Berufsschullehrer ergriff später das Wort am offenen Mikro: „An meiner Schule kommt einmal im Jahr die Bundeswehr, verteilt Dauerschreiber und wirbt für die Militär-Laufbahn. Aber sie musste jüngst selbst zugeben, dass sehr viele Soldaten traumatisiert aus Auslandseinsätzen zurückkehren. Das muss alles abgelehnt werden.“

Dilan, die jugendpolitische Sprecherin der kurdischen Gemeinde, nahm heute mit ihren Freundinnen an der Montagsdemo teil. Souverän stand sie Rede und Antwort zur Lage in Kurdistan. Ihr authentischer Bericht fesselte viele vor allem jüngere Zuhörer und es ergab sich eine regelrechte Strategiedebatte über Krieg und Frieden auf der Bahnhofstraße.

„Es ist den Großmächten der Welt zum Teil gelungen, die religiösen Unterschiede der Menschen in unserer Region zur Spaltung der Bevölkerung zu missbrauchen. Dagegen entwickelt sich seit mehreren Jahren in Westkurdistan (Nord-Syrien) – wir nennen es „Rojava“, eine autonome Selbstverwaltung mit Religionsfreiheit, Gleichberechtigung der Frau, mit demokratischen Strukturen, die eine „Regierung von oben“ nicht dulden, sondern bei der das Volk von unten regiert. Rojava ist Hoffnungsträgerin für alle Menschen, – ein demokratisches Experiment. Die führenden Organisationen – die kurdische Arbeiterpartei PKK und die Volksverteidigungskräfte der YPG waren es, die einen Korridor für die vor dem IS fliehenden Menschen aus Shingal freikämpften. Aber denkt nicht, die Waffenlieferungen aus Deutschland wären für diese demokratischen Kräfte bestimmt. Sie gehen vor allem an Barzanis KDP, deren Peshmerga zu Beginn der Massaker nicht selten selbst die Flucht ergriffen und die Zivilbevölkerung ihrem Schicksal überließen. “

„Ich bin gegen jede Art von Gewalt!“, entgegnete eine Frau, die den 2. Weltkrieg erlebt hatte. „An ihre Stelle muss Bildung und Ausbildung kommen.“

„Ich fordere von der Bundesregierung, sofort die freundschaftlich-geschäftlichen Kontakte mit den Förderländern der Faschisten vom IS einzustellen, mit Saudi-Arabien und Katar zum Beispiel. Das wäre wirksame Solidarität“, griff ein Anderer ein.
Die Hoffnung auf die Entwicklung einer gemeinsame Front aller kurdischen Kräfte gegen die IS-Faschisten wurde geäußert.

Viele Passanten hatten noch nie von Rojava / Westkurdistan gehört und staunten nicht schlecht, dass die Ärzteorganisation „medico international“ ebenfalls für diesen „Silberstreifen am Horizont“ eintritt und für Spenden wirbt.
„Man fragt sich allerdings, warum die führenden Medien in Deutschland darüber nichts berichten. Uns werden die entsetzlichen Gräuel des Krieges gezeigt, ja, aber fürchten unsre Herrschenden denn so sehr die Vorbildfunktion einer wirklich demokratischen Lösung der Konflikte, dass sie uns diesen gerechten – und notwendig bewaffneten – Kampf verschweigen?“, warf ein Mann kritisch ein.

Auch das nach wie vor bestehende PKK-Verbot in der BRD wurde am offenen Mikro angegriffen und daran die heuchlerische Position der scheinbaren Kehrtwende in der „Kurdenpolitik“ der Regierung aufgedeckt.

Mit vielen weiteren Beiträgen zu den Brandherden dieser Welt und getragen vom tiefen Friedenswillen der Beteiligten konnte die Montagsdemo heute jedenfalls einen ehrlichen Beitrag leisten zum Erhalt des Weltfriedens. Nach Abschluss der Kundgebung standen wir noch länger beisammen und ein junger Mann, der die ganze Zeit mit seiner Freundin zugehört hatte, bestätigte den Satz aus dem Eingangs-Sketch, in welchem es hieß: „Wenn ein Krieg beginnt, stirbt zuerst die Wahrheit…“. Er kam zu dem Schluss: „ Es bleibt uns nichts anderes übrig, als unseren eigenen Kopf zu gebrauchen – und dafür scheint die Montagsdemo gut geeignet zu sein“.

Sabine Fricker www.montagsdemo-saar.de

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