655. Gelsenkirchener Montagsdemo bestärkt die klare Position: Hartz muss weg!

„Von 409 Euro im Monat wird der Satz erhöht ab 01.01.2018  auf nur sehr magere 416 Euro im Monat für eine Alleinstehende Person“, so Thomas Kistermann, Moderator der Montagsdemo, am 18.12.2017. „Die Miete und Heizkosten zahlt zwar auch die ARGE. Aber die Kosten für die Strom-Rechnung, Gas-Rechnung, Internet-Rechnung, Haftpflicht-Versicherung und Rechtsschutz-Versicherung muss ich von meinem Regelsatz bestreiten als Hartz IV-Betroffener, was eigentlich kaum leistbar ist.“ Wieviel hat man real von dieser Erhöhung? Allein die Inflationsrate betrug in 2017 schon 1,8%.

Zu Recht tritt die Montagsdemo weiter ein für die Abschaffung von Hartz IV als Armut per Gesetz. Es ist nicht zu akzeptieren,

dass im Bereich des SGB II trotz Kritiken viele Sanktionen verhängt werden,

dass die Regelungen für die Kosten der Unterkunft dazu führen, dass Betroffene mitunter bis zu 30 % aus ihrer Regelleistung selbst beisteuern müssen,

dass nach wie vor die Zahl der Hartz IV-Betroffenen steigt: von 1,54 Millionen im Dezember 2015 auf 1,6 Millionen im Dezember 2016,

dass jedes fünfte Kind in Deutschland in Hartz-IV-Verhältnissen lebt, und Kindergeld und Zuschläge mit Hartz-IV-Bezug verrechnet werden!

Viele Argumente, auch 2018 aktiv zu werden und die Bewegung der Montagsdemo bundesweit zu stärken.

Thomas Kistermann: „Wir brauchen ein Arbeitslosen-Geld und müssen zusammen eine Sozial-Hilfe erkämpfen, wovon man menschenwürdig gut leben kann, und auch eine Familie ernähren kann, wenn man arbeitslos ist. Vor allem stehen wir ein für gut bezahlte Arbeitsplätze auf Kosten der Unternehmer-Profite, sodass man auf Hartz IV überhaupt nicht mehr angewiesen ist!“

Er weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, aus Hartz IV wieder heraus zu kommen. Immer wieder hat er Bewerbungstrainings absolviert, an Qualifizierungsmaßnahmen teilgenommen, doch einen Job hat er bis heute nicht. Seine letzte Vorstellung bei der Diakonie – zugewiesen von der ARGE Gelsenkirchen – hätte eine Chance sein können. Gerne hätte er in einer Einrichtung zur Betreuung Demenz-Erkranker Menschen gearbeitet, wie er auf der 654. Montagsdemo berichtete. „Es ist ein Pilot-Projekt der Diakonie, mit der ich ca. 1.200 Euro netto im Monat verdient hätte.“ Diese Chance, seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten zu können, blieb leider ohne Erfolg.

Die Montagsdemo sieht, welche Erfahrungen er beizusteuern hat als langjähriger Moderator seit dem 09.08.2004. „Sein politisches Engagement auf der als soziales Gewissen sollte kein Grund sein, seine Bewerbungen negativ zu bescheiden, sondern qualifiziert ihn und ist meiner Meinung nach ein Argument mehr, ihm eine Chance zu geben. Wir wünschen ihm für 2018 viel Glück und Erfolg“, so Martina Reichmann.

Martina Reichmann

Pressesprecherin der Gelsenkirchener Montagsdemo

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