Montagsdemo Saarbrücken: Frau Merkel muss den Faschismus in der Türkei angreifen statt wegzuschauen

Pressemitteilung zur 428. Saarbrücker Montagsdemo gegen Hartz-Gesetze am 07.11.2016

„Frau Merkel muss den Faschismus in der Türkei angreifen statt wegzuschauen. Das verlangen wir, denn unsere Familien, Freunde und unsere geachteten demokratischen HDP-Politiker sind diesem terroristischen Schergen Erdogan ausgeliefert, wenn ihm nicht Einhalt geboten wird“, – das waren heute die Worte einer Reihe mutiger Frauen auf der Bahnhofstrasse.

Das war auch der Grundton unserer lauten und kämpferischen 428. Montagsdemo in Saarbrücken, die mit zeitweise über 100 Menschen ein demokratisches Signal aussendete. Gewachsene innere Verbundenheit deutscher, iranischer, kurdischer und russischer TeilnehmerInnen gab dem düsteren kalten Abend Wärme und Licht. TeilnehmerInnen einer Mahnwache gegen Erdogan und Montagsdemonstrierer schlossen sich bewusst zusammen und gingen nach einer Kundgebung vor der Europa-Galerie gemeinsam zur Thalia-Buchhandlung.

Es war die Wahrnehmung einer gemeinsamen Verantwortung für Freiheit und Demokratie, die diese Montagsdemonstrierer heute auszeichnete. Etliche Redner zeigten die Parallelen zwischen den einzelnen Schritten der Errichtung der Hitler-Diktatur und der Entwicklung in der Türkei auf. „Mein Gott, wie kann man die Lehren aus der Geschichte des eigenen Landes so mit Füssen treten wie die Bundesregierung? Indem die Kanzlerin über ihren Sprecher indirekt bestellen lässt, dass sie die Entwicklung zur offen terroristischen und demagogisch verbrähmten Barbarei Erdogans kalt lässt, setzt sie selbst einen Masstab, was für CDU und SPD politisch akzeptabel ist in der BRD. Da graut mir vor“, sagte jemand.

„Abbruch der diplomatischen Beziehungen sofort“, forderte ein anderer.

Kurdische Redner sprachen klar aus, dass sich ihre gewählten Politiker nicht beugen würden vor dem Staatsterror. Dass Angst ein schlechter Begleiter sei in diesen Tagen, dass das erklärte Ziel von Erdogan die Ausrottung des demokratischen Kurdistans sei, der einzigen Kraft, die den faschistischen IS erfolgreich bekämpfe und die für den Frieden in Syrien ein wunderbarer Garant und ein Vorbild sei.

Eine kurdische Frau mahnte am offenen Mikro, es gehe hier nicht nur um irgendeinen innertürkischen Konflikt. Es gehe um etwas, das die Welt in einen 3. Weltkrieg hineinziehen könne, indem mit Erdogan ein weiterer mörderischer Räuber auf die Weltbühne getreten sei, der sich inzwischen schon ungefragt an dem mörderischen Spiel der Mächte in Syrien beteilige.

„Dennoch, Leute“, sagte ein anderer Redner – „die Geschichte hat auch gezeigt, dass am Ende die Menschlichkeit über die Barbarei siegt. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass das diesmal besser und früher gelingt. Ich persönlich setze mich für ein internationalistisches Bündnis zusammen mit der MLPD ein, die Unterstützung in der Bevölkerung dafür ist da und nimmt zu“.

Ein anderer Redner berichtete, dass zur Bundestagswahl auf eben dieser internationalistischen Liste in Hessen auf Platz 2 einer der schuldlos Angeklagten des Münchner Prozesses, Deniz Pektas, stehe. „Das weiß hier ja kaum einer, dass auch in Deutschland Prozesse stattfinden gegen fortschrittliche Kräfte, denen nichts anderes vorgeworfen wird, als dass sie in der Türkei als Staatsfeinde und Terroristen bezeichnet werden und nach § 29 des Strafgesetzbuchs belangt werden sollen.“

Eine alte Dame trug „Die Bitte der Kinder“ von Brecht vor , jeder verstand es:

Häuser sollen nicht brennen, Bomber soll man nicht kennen.
Die Nacht soll für den Schlaf sein, Leben soll keine Straf‘ sein.
Mütter sollen nicht weinen, keiner soll müssen töten einen.
Alle sollen was bauen, da kann man jedem trauen.
Die Jungen sollens erreichen, die Alten des gleichen.‘

So wurde heute auf der „428.“ beides Eins: der tiefe Wunsch nach einem friedlichen Miteinander auf der Welt und das empörte und laut hinausgeschrieene Aufbegehren gegen die brutale Unterdrückung jeder berechtigten Opposition und des Kampfes um Freiheit und Demokratie.

Wir sehen uns am 05. Dezember bei der Europa-Galerie, um 18:00 geht’s los zur „429. – und Nikolaus-Montagsdemo“.

Die Veranstalter des Infostandes / der Mahnwache heute gaben bekannt, dass dieser gegenwärtig täglich von 17:00 bis 18:00 dort bei der Europa-Galerie durchgeführt wird.

S. Fricker                                                                         www.montagsdemo-saar.de

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