Die heutige Montagsdemo war längst nicht so trübe wie das Wetter. Es waren zwar echt wenig Leute unterwegs.
Aber etliche Leute zeigten fast überraschte Zustimmung, als wir die 539. -ste als „Protestaktion gegen die Regierung – aber auf antifaschistischer Grundlage!“ beim Startpunkt ankündigten. Einzelne Passantinnen gingen mit.
Das Besondere heute war, man merkte ein praktisches Zusammenrücken der Demonstrierer*innen. Manch eine kam, die schon länger nicht da war. Erleichterung über das Ende der Orban-Regierung als „einzig gute Nachricht heute“. Jemand ergriff die Initiative, um unser Transparent zu überarbeiten. Bei allem berechtigten Spott auf das Entlastungs-Ei, das die Koalition in der Villa Borsig ausgebrütet hatte, verstanden es die Anwesenden doch als Ermutigung zum Kämpfen. So eilfertig und besorgt um den angeblichen sozialen Frieden hat man die Koalitionäre lange nicht erlebt. „Jetzt müssen wir den Vorwärtsgang einschalten“, hieß es.
Auch schön: Eine Lyrikerin aus Saarlouis hörte zusammen mit einer Bekannten zu und sagte dann sehr ruhig und sachlich: „Ich finde das Wichtigste jetzt, dass man nicht zu Hause bleibt, sondern zusammen auf die Straße geht. Es ist nicht gut, in so einer Situation alleine zu bleiben“. Sie trug spontan eines ihrer Gedichte vor und schrieb’ es extra für uns danach auf:
‚Täglich ein Strich durch die Rechnung
Frieden abgewählt
Menschen töten Menschen
Gottes Ebenbild ist aus dem Rahmen gefallen.‘
„Montagsdemonstriererinnen sind bereit. Wir sind für Entschlossenheit und Streiks, und für die Mobilisierung der Leute, das gilt auch für den DGB am 01. Mai! Jetzt nur ja keine Rücksicht auf die kranke kapitalistische Wirtschaft mit ihren steigenden Dividenden!“
Dass die Unternehmen 1.000,-€ Sonderprämie auszahlen ‚dürfen‘, stieß auf Skepsis: zum einen, weil „kleine Handwerks-Betriebe das nicht leicht stemmen können“, zum anderen, weil der Unternehmerverband das bereits in Frage stelle. „Preissteigerungen können sie innerhalb von Minuten festlegen – aber für Entlastungs-Maßnahmen ist ‚das Jahr schon viel zu kurz‘, wurde er zitiert. Mit Gelächter wurde die Meldung einer online-Rentenberatung bedacht, wonach auch Rentner von der Entlastungsprämie was hätten, nämlich diejenigen die ‚neben der Rente noch arbeiten‘.
Wichtig: Es wurde zur Wachsamkeit gegenüber der AfD aufgerufen. Sie „verschweigt hinterhältig, dass der Löwenanteil der Preissteigerungen durch das Diktat von Monopolpreisen zustande kommt, wenn auch der Staat die Inflation mit verschuldet. Gegen die Monopole rührt die AfD keinen Finger, siehe Elon Musk“.
„Kostenloser Nahverkehr und bessere Taktzeiten, auch weil die A 620 jahrelang gesperrt ist zwischen Völklingen und Saarbrücken!“; 1.000.-€ Inflationsausgleich auch für Bezieher*innen von Grundsicherung sowie eine Erhöhung für alle Bezieher von Sozialleistungen auf mindestens 1.200,-€!“
„Vor allem sofort Schluss mit dem Krieg gegen Iran und in der Ukraine!“ „Die Kriegstreiber fressen die Zukunft der Menschheit“.
Wie untauglich der Kapitalismus ist und wie nötig, „die Profiteure zum Teufel zu jagen“, hörte man immer wieder.
Wie freundlich die Montagsdemo heute auf der Bahnhofstraße aufgenommen wurde, dazu zum Schluss noch diese kleine Geschichte:
Es regnete in Strömen. Ein Mann mit Schirm hörte eine Weile zu. Dann kam er zur Moderatorin, drückte ihr seinen Schirm in die Hand und meinte: „Den schenke ich Ihnen. Sie sind ja schon ganz nass, nicht dass Sie noch krank werden.“ Sprach’s und ging ohne Schirm weiter…
Die nächste Montagsdemo ist für den 05. Mai vorgesehen. Aber erstmal gilt’s am 01. Mai, dem internationalen Kampftag der Arbeiterklasse!
s.fricker
