Montagsdemonstrierer sind beherzt. Und Saarbrücker*innen auch. Das bewiesen sie heute bei der Aufstellung zur „534.“: Direkt bei der Europa-Galerie hörte man durch geöffnete Fenster einer Wohnung laute Schreie– und sah Handgemenge. Häusliche Gewalt. Während ein Montagsdemonstrierer die Polizei herbei rief, begann ein weiterer, laut zu protestieren: „Lass die Frau in Ruhe da oben!“ – und die vielen Leute auf dem belebten Platz fielen in das Rufen ein. Ein Mann staunte nicht schlecht, als er sich in Handschellen wiederfand, nachdem er erbost runter gekommen war – „ich darf wohl noch mit meiner Frau reden, das geht keinen was an“.
Etwas verspätet ging die Demo los. Am offenen Mikro kam heute die aktuelle widerliche Stimmungsmache gegen Bürgergeld-Betroffene auf den Tisch. „Wenn die ZF wirklich 14.000 oder mehr Arbeitsplätze bundesweit vernichten kann, wenn wir das zulassen, dann bekommen diese Leute doch keine andere Arbeit mehr. Nach einem Jahr sind sie dann bei ‚Hartz IV‘ gelandet. Und das in allen anderen Bereichen auch. Der Staat stellt sich genau auf diese Situation ein: Hunderttausende Arbeitslose mehr, die auf Sozialleistungen angewiesen sind, das geht ins Geld. Da muss gekürzt werden und da muss vorher gehetzt werden“, sagte ein Mann.
Ein anderer Redner stellte einen größeren Zusammenhang her. „Nun wird das Thema Bürgergeld von Politikern und in Medien wieder rauf und runter geredet, Spaltungsversuche gegen ukrainische Geflüchtete probiert, dann bisschen relativiert, dann wieder neue Vorstöße unternommen. Genau wie bei den Renten. Genau wie bei den Arbeitsplätzen. Wir müssen uns im Klaren darüber werden, dass das Alles auf einen Angriff auf uns Alle hinausläuft. ALLES wird umgestellt auf Kriegswirtschaft, dem wird alles untergeordnet. Dem müssen wir uns entgegenstellen“.
Bekanntgegeben wurde, dass es am 01. September, dem Antikriegstag, verschiedene gemeinsame Aktionen von Montagsdemo, Friedensnetz, Parteien und Gewerkschaften geben soll. Um 15:00 geht’s gemeinsam los mit der Montagsdemo bei der Europa-Galerie, dann folgt die Fahrraddemo nach Völklingen zum antifaschistischen Mahnmal, wo die Schlusskundgebung des DGB stattfindet. Vorbereitungsgruppe ist am kommenden Donnerstag, 07.08. im Jederman, abends dann im Kreis des Friedensnetzes.
Die vielen umstehenden Leute waren sichtlich berührt und herausgefordert von dem Aufruf aus der Montagsdemo, dass sich Arbeitende und Arbeitslose, Migrantinnen und Migranten, Alte und Junge in der heutigen Situation auf keinen Fall spalten lassen dürfen oder gar den Faschisten der AfD auf den Leim gehen dürfen. Dass bei einem Kampf der ZF-Belegschaft ganz Saarbrücken zur Stelle sein muss. Ein junger Mann sprach es auch aus: „Ich wünsche mir einen festen Zusammenhalt untereinander, denn es gehen deutliche Risse durch das Land. Die zerstören.“
Ein anderer sprach die globale Umweltkatastrophe an, die brennenden Wälder, die er aus Sizilien kommend sehen musste und er schloss diese verheerende Entwicklung in den notwendigen aktiven Widerstand ein.
Auch auf die Perspektive des Krieges in Gaza ging ein Mann ein und mahnte, die faschistische Ideologie der Hamas sei auch die der Hisbollah oder der Mullahs in Iran – und die der AfD. Und die israelische Regierung „ist auch aus dem Holz geschnitzt, lässt 60.000 Menschen morden“.
„Für eine antifaschistische, gegen jeden Imperialismus gerichtete gemeinsame Front! Damit diese Wirklichkeit wird, braucht es neben Durchblick auch die Bereitschaft, sich Zeit frei zu schaufeln trotz all der vielseitigen Alltags-Verpflichtungen. Trotz Schichtarbeit und teurem öffentlichen Nahverkerkehr. Danke dafür heute an Alle!“, schloss die Moderatorin.
S. Fricker
