23.10.2014 Nürnberg GDL Antwort

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Initiatoren der Montagsdemo in Nürnberg,

für Eure Solidarität die Ihr uns mit Eurer Resolution bekundet habt wollen wir Euch recht herzlich danken.
In den vergangenen Tagen und Wochen war unser derzeitiger Tarifstreit immer wieder Thema in allen Medien und wurde dort für die Öffentlichkeit, gezielt gesteuert durch die Aktionen der DB AG, verzerrt dargestellt. In den Talkshows Hart aber Fair (13.10.2014) und Anne Will (22.10.2014) hat unser Bundesvorsitzender in einer unglaublichen Ruhe und Geduld versucht die Situation zur erklären und die Möglichkeiten einer Lösung des Tarifkonflikts aufzuzeigen.
Nach der Grundsatzentscheidung des BAG vom 23.06.2010 gibt es nur eine Lösung des Tarifkonfliktes – die Tarifpluralität. Wir erheben nicht den Alleinvertretungsanspruch für das Zugpersonal in seiner Gesamtheit, wie es in der Öffentlichkeit immer wieder dargestellt wird. Wir fordern lediglich das Recht Tarifverträge für unsere Mitglieder, die uns vertrauen und uns gewählt haben, abschließen zu dürfen.
Genau diese Möglichkeit räumen wir unabhängig von unseren Forderungen auch anderen Interessenvertretungen ein.
Dieses Recht will jedoch die DB AG und die Politik verhindern und mit gesetzlicher Regelung einschränken.
Niemand anders als die GDL verfügt über das Personal und das Wissen spezielle Tarifverträge für Lokomotivführer, Zugbegleiter, Lokrangierführer, Gastropersonal und Instruktoren abzuschließen.
Der Grund hierfür ist ganz einfach: Die GDL besteht in ihrer Mitgliedschaft und Führung genau aus diesen Mitarbeitergruppen und diese wissen um ihre Arbeitsbedingungen.
Auch die DB AG sollte ein Interesse an motivierten, ausgeruhten und sozial engagierten Kollegen haben, denn nichts ist schlimmer für unsere Kunden als unfreundliches und demotiviertes Personal.
Die Ursachen hierfür gehen in den Medien seit Jahren immer wieder unter. Mainz 2013 ist schon wieder vergessen, unsere Arbeitszeitbilanzen werden verschleiert und die Medien mit der Meldung über Neueinstellungen versorgt.
Das Gegenteil ist der Fall. Drei Millionen Überstunden inklusive Urlaubsrückstände, Personalmangel von ca. 800 Lokomotivführern allein bei der DB AG, eine unglaubliche Flexibilität bei Änderungen in der Schicht- und Einsatzplanung und weitgehender Verzicht auf eine gesellschaftliche Integration und geregeltes Familienleben und das seit Jahren.
Die Probleme haben sich aufgestaut und finden in unserem Tarifkonflikt ein Ventil. Unsere Forderungen sind komplex und umfangreich, haben sich im Laufe der Jahre durch die Versäumnisse unseres Arbeitgebers jedoch auch angestaut. Was nutzt die beste Wettbewerbsfähigkeit wenn mir das Personal davon läuft?
In dieser Woche haben wir der DB AG die Möglichkeit gegeben, ungestört durch Arbeitskämpfe, ein verhandlungsfähiges Angebot zu erarbeiten. Die Hoffnung auf eine baldige Lösung geben wir nicht auf und sind dazu auch jederzeit zu Kompromissen bereit.
Wir als Lokführer und Zugpersonal wollen unsere Züge pünktlich und sicher und immer mit Rücksicht auf unsere Kunden durch die Region fahren. Streiks sind das allerletzte Mittel und nicht wirklich unser Interesse. Ein Streik verursacht eben keine freien Tage sondern Organisationsaufwand, Lohneinbußen und in den nächsten Tagen wohl immer öfter kalte Füße!
Keiner kann das besser nachfühlen als Ihr.
Über Eure Einladung freuen wir uns und danken Euch für die Bereitschaft uns eine Möglichkeit zu geben, unsere Interessen zu vertreten. Zum passenden Zeitpunkt werden wir uns hierzu mit Euch absprechen.

Ganz lieben Dank für Eure jahrelange solidarische Treue

i.A. der GDL-Ortsgruppe Nürnberg
Jörg Kuhlemann

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