08.09.2014 Bochum Montagsdemo Soli mit Bochumer Erklärung

Montagsdemo solidarisiert sich mit „Bochumer Erklärung“
Kurz- und mittelfristig sind viele Arbeitsplätze im Ruhrgebiet durch Werkschließungen oder Personalabbau gefährdet. Doch es formiert sich Widerstand der Belegschaften. Beschäftigte, Betriebsratsmitglieder und Vertrauensleute von Opel, Outokumpu, Johnson Controls, BoschRexroth und anderen Unternehmen rufen gemeinsam mit mehreren Organisationen wie z.B. den Montagsdemos und Einzelpersonen zu einem regionalen Aktionstag auf.

Diese „Bochumer Erklärung“ war das Schwerpunktthema der heutigen Diskussion.

„Solange noch produziert wird, ist es nicht zu spät für einen Arbeitskampf“, informierte ein Mitarbeiter von Opel, „die Geschäftsleitung drängt die Belegschaft des Opel Werk I, Abwicklungsverträge zu unterschreiben, in denen der Verlust der Arbeitsplätze gegen Zahlung einer Abfindung oder durch Übernahme in eine Qualifizierungsgesellschaft besiegelt wird. Viele Beschäftigte weigern sich bereits, diese Verträge zu unterschreiben. Wenn auch die Medien oder sogar die Gewerkschaftsfunktionäre das Opel-Werk in Bochum aufgegeben haben, geben wir nicht auf. Es geht nicht nur um unsere Arbeitsplätze, sondern um die ganze Region!“

„Die Versprechen der Geschäftsleitung von Opel sind mehr als zweifelhaft, es soll angeblich 600 Ersatzarbeitsplätze in der Logistik geben. Bisher ist noch kein einziger neuer Arbeitsplatz bekannt“, ergänzte ein anderer Opel-Beschäftigter. Selbst wenn das der Fall wäre, gälten andere niedrigere Tarife für die Weiterbeschäftigung. Auch die Qualifizierungsgesellschaft ist eine Farce, denn für welche nicht vorhandenen Arbeitsstellen soll der Bewerber bereits qualifiziert werden? Vielleicht als Maler – und Lackierer? In diesem Handwerk gibt es bereits zahlreiche Erwerbslose“.

Ein anderer Redner äußerte sich: „Die Konzerne suchen immer einen Grund, um aus Profitgründen Arbeitsplätze zu vernichten. Als Beispiel nenne ich Outokumpu. Zunächst forderte dieses Unternehmen, für seine Industrieabfälle die alte Deponie an der Maarbrücke in Bochum wieder zu aktivieren, damit die weitere Produktion in Bochum aufrecht erhalten werden kann. Das ist bereits geschehen. Jetzt nennt Outokumpu Verluste am Bochumer Standort, um das Nirosta-Werk in Bochum zu schließen Ich begrüße daher die gemeinsame Bochumer Erklärung“.

Einer der Moderatoren teilte mit: „Durch die Medien erfuhr ich, dass es EU-weit die meisten Überstunden in Deutschland gibt. Man geht von einer Regelarbeitszeit von ca. 37 Wochenstunden aus, tatsächlich werden pro Woche 40 Stunden und mehr gearbeitet. Also ist die Aussage des Umsatzrückgangs vieler Unternehmen eine reine Lüge. Zudem steigt der Arbeitsdruck immer weiter“.

Nach mehreren weiteren Wortmeldungen beschloss die Montagsdemo einstimmig, die Bochumer Erklärung als Erstunterzeichner zu unterstützen. „Voraussichtlich wird es am 29. oder 30. September Aktionen vor den einzelnen Betrieben geben“, sagte ein weiterer Mitarbeiter von Opel.

Die Montagsdemo wurde ebenfalls von einer Solidaritätskundgebung vor dem Arbeitsgericht am Mittwoch, 11.09.14, um 8.30 Uhr informiert. Es geht um die Klage eines Stellvertreters der Vertrauenskörperleitung gegen seine Abmahnung. Er hat in seiner Arbeitszeit eine Versammlung der Vertrauensleute ohne Zustimmung der Betriebsleitung aufgesucht.

Nach dem Montagsdemolied „Nur wer kämpft, der kann gewinnen“, wurde noch für die Fahrt nach Berlin am kommenden Samstag mobilisiert, es gab zusätzlich einige Anmeldungen. Weiterhin wurde das Programm für die 10-Jahres-Feier der Bochumer Montagsdemo am Montag, 15.09.14 ausgearbeitet und beschlossen, mehrere Organisationen und Parteien einzuladen, die Grußworte an die Montagsdemo richten können.

Mit der Abschlusskundgebung endete wie immer die Kundgebung.

Am Samstag heißt es: Berlin, Berlin,
wir fahren nach Berlin!
Abfahrt: 13.09. um 3.00 Uhr ab Bochum Hbf (Reisebushaltestelle Unterführung Wittener Str.)

Am Montag feiert die Montagsdemo „Geburtstag“!

Der Moderator
Ulrich Achenbach

Nachfolgend die Bochumer Erklärung.

Es ist Zeit, gemeinsam aufzustehen!
Bochumer Erklärung vom Juli 2014
Wir nehmen nicht kampflos hin, dass im Ruhrgebiet Zehntausende
Arbeitsplätze vernichtet werden. Damit würde
die Zukunft unserer Region der Profitgier einiger Monopolkonzerne
geopfert! Wir treten ein für den gemeinsamen
Kampf aller Belegschaften im Ruhrgebiet – ob bei Opel,
Outokumpu, Johnson Controls oder auf Auguste Victoria.
Vertrauen wir auf unsere eigene Stärke! Längst haben
die Medien den Abgesang auf unsere Arbeitsplätze angestimmt,
während wir aber noch jeden Tag produzieren!
Regierungspolitiker wie Ministerpräsidentin Kraft, die
sich vor Kurzem noch mit Solidaritätsversprechen
in Szene setzten, haben uns längst öffentlich
fallen gelassen. Selbst manche Funktionäre unserer
eigenen Gewerkschaften rechtfertigen ihre Kapitulation vor
der scheinbaren Übermacht der Konzerne mit der verheerenden
Losung „Mehr war nicht drin“ – als hätten wir schon alle Register
des Kampfs gezogen! Wir brauchen Gewerkschaften als Kampforganisationen
für unsere Rechte und Interessen – nicht als CoManager
der Konzerne! Lasst uns gemeinsam kämpfen,
anstatt alleine und gespalten unterzugehen! Statt
Arbeitsplatzvernichtung und Werkschließungen: Arbeitszeitverkürzung
bei vollem Lohnausgleich! Die Richtungsentscheidung, vor der wir stehen, beschränkt
sich nicht auf Arbeitsplätze. Die gleichen Konzerne
sind bereit, in ihrer Gier nach Maximalprofit die
Umwelt zu zerstören und die öffentlichen Haushalte zu
ruinieren. Durch die Schließung der letzten Zechen wollen
sie die Voraussetzung für Fracking (Förderung von Schiefergas)
schaffen, das unser Grundwasser verseucht. Die
geplanten Entlassungen bei Bosch Rexroth in Witten sind
Ergebnis einer Politik, die im Auftrag der Energiekonzerne
erneuerbare Energien zurückfährt. Als Arbeiter und Gewerkschafter
kann es uns nicht allein um unsere Arbeitsplätze
gehen. Lasst uns aufstehen gegen die
Verursacher von Massenarbeitslosigkeit und Umweltzerstörung!
Gegen eine Politik, die Arbeit und Umweltschutz im Interesse der
Profite gegeneinander ausspielen will!
Wir stehen nicht allein! Mit einem revierweiten Aktionstag
im September in Bochum wollen wir ein klares Zeichen setzen
– als ersten Schritt für unseren gemeinsamen Kampf.
Die gewerkschaftlichen Protestaktionen und selbständigen
Streiks der letzten Monate bei Opel oder Johnson Controls sind der richtige Weg, den wir
konsequent weiter gehen müssen! Wir verpflichten uns zur
gegenseitigen Unterstützung im Kampf um unsere Arbeitsplätze,
zur gegenseitigen Solidarität und zur Ablehnung jeder Art von Streikbruch!
Wir treten ein für ein vollständiges gesetzliches Streikrecht. Wenn wir als Automobilarbeiter,
Stahlarbeiter und Bergleute unsere Kräfte bündeln, auf die Solidarität der Menschen im
Ruhrgebiet vertrauen und gemeinsam den Kampf aufnehmen
– dann sind wir stark genug, unseren Kampf zu gewinnen!

Erstunterzeichner: IGM Vertrauenskörperleitung
Bosch Rexroth Witten; Betriebsrat Johnson Controls Bochum; Ver.di Vertrauensleute
Universitätsklinikum Essen; Sebastian Balzer IGMVKL
TKSE Duisburg; Ilhan Bicen IGM Opel Bochum; Heike Borgwardt
Ver.di Vertrauensfrau Herne; Christian Bury IGM Vertrauensmann
Opel Bochum; Udo Falkenthal IGMVKL KM Widia Essen;
Romeo Frey Moderator Bürgerbewegung Montagsdemonstration Witten; Paul Fröhlich IGM Opel Bochum; Annegret Gärtner Leymann IGM Betriebsrätin Opel Bochum;
Klaus Gembries IGM Betriebsrat Outokumpu Bochum;
Iordanis Georgiou IGM Betriebsrat und VK Leiter
ThyssenKrupp Presta Mülheim; Dr. Karin Herborn Allgemeinärztin Dortmund;
Christian Herbst IGM TKSE Duisburg; Christoph Herker IGM Vertrauensmann Opel Bochum;
Ute Hickler IGM Vertrauensfrau Outokumpu Bochum;
Volker Jancic IGM Vertrauensmann Caterpillar Lünen;
Kamil Keles IGM Vertrauensmann Outokumpu Bochum;
Günter Kilian IGMVKL KM Widia Essen;
Martin Klöpping IGM Vertrauensmann Opel Bochum;
Raymund Körber IGM Opel Bochum;
Andreas Kossack IGM Vertrauensmann Continental Automotive Dortmund;
Gerd Labatzki IGM Betriebsrat und VK Leiter Küppersbusch Gelsenkirchen;
Klaus Leymann IGM Betriebsrat Opel Bochum;
Andreas Loose IGM Vertrauensmann Siemens Krefeld;
Manfred Lösel Zerspanungsfacharbeiter Herne;
Horst Luther IGM Betriebsrat Outokumpu Bochum;
Frieder Lutz IGM Opel Bochum; Hannes Mast IGM Vertrauensmann Siemens Krefeld;
Bernhard Mechenbier IGM Dortmund; Martin Mondry IGM Outokumpu Bochum;
Andreas Müller stellv IGM VK Leiter KM Widia Essen;
Petra Müller Ver.di Vorsitzende Bezirksfrauenrat Stadt Gelsenkirchen;
Günter Palmen IGM Vertrauensmann Siemens Krefeld;
Holmar Pannhausen IGM Vertrauensmann TKSE Duisburg;
Robert Platzek Kuhn IGM Opel Bochum;
Michael Preiß IGM Vertrauensmann TKSE Duisburg;
Steffen Reichelt stellv. IGM VK Leiter Opel Bochum;
Peter Reichmann IGBCE Betriebsrat Pilkington Gelsenkirchen;
Hans Rommel IGM Vertrauensmann Mannesmann Mülheim;
Peter Römmele IGM Vertrauensmann TKSE Duisburg;
Voja Savic IGM VKL KM Widia Essen;
Marco Schewior IGM Caterpillar Lünen; Russel Schulz Outokumpu Bochum;
Milan Sommer IGM JAV Opel Bochum; Markus Stockert stellv. IGM VK Leiter TKSE Duisburg; Claudia Thylmann IGM Vertrauensfrau Caterpillar Lünen;
Uli Triphan IGM Opel Bochum; Klaus van den Berg IGM Mülheim;
Günter Verrieth IGM Ersatzbetriebsrat Grohe Hemer;
Kathy Vowe IGM Betriebsrätin Bochumer Verein Verkehrstechnik; Oliver Wähnert IGM

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