14.08.2014 Gelsenkirchen Bericht 10 Jahres Feier

Gelsenkirchener Bürgerbewegung Montagsdemonstration                                                                                       14.8.2014
i.A. der Bürgerbewegung
Thomas Kistermann
Martina Reichmann
Laarmannshof 16
45883 Gelsenkirchen
Tel. 0209-138120
E-Mail: martina.reichmann@onlinehome.de

10 Jahre Montagsdemo – „Auf uns!“

Ein großer Glückwünsch an alle die neuen Politiker, die sich in dieser Zeit entwickelt haben, eine Bewegung mit geschaffen haben, die sich auskennen, einbringen und ein starkes Rückgrat bewiesen haben! Rund 200 Gäste feierten dieses Jubiläum mit einem fröhlichen und stärkenden Fest, mit einer Revue und Erinnerungen an viele Highlights und unvergessene Aktivitäten, mit einem optimistischen Blick in die Zukunft – in 10 Jahren haben wir vieles erreicht, unsere Kraft erprobt, unseren Zusammenhalt bewiesen, sind Freunde und Kämpfer geworden und sehen unseren Zielen mit vielen neuen Mitstreitern und Interessierten mutig entgegen!
Auch die Polizisten, die uns seitdem begleiten, bekamen einen Dank.
Am offenen Mikrofon gab es viele Redebeiträge, witzige Kulturbeiträge und Sketche, sogar Frau von der Leyen war zu Gast und ließ ihren „Killercharme“ spielen. „Am liebsten mag ich es, Soldaten in fernen Ländern zu besuchen, am besten vor Weihnachten, mit Keksen und Geschenken. Aber ich habe gelernt, ein Ministerium führt Frau nicht wie einen Ponyhof. Sie denken vielleicht bei dem Wort Killerdrohnen an fliegende Ungeheuer, die alles abknallen, was ihnen in den Weg kommt. Aber ich versichere ihnen, ich werde mir den Einsatz von Killer-Drohen spätestens hinterher vom Parlament genehmigen lassen. Versprochen. Die große Koalition hat ja die Mehrheit, höhö…”
Stefan Engel erinnerte an die Anfänge in Gelsenkirchen, als 1998 die Nato ihren ersten Krieg führte gegen Serbien und wir die Montagsdemo erstmals anwendeten. Ab 2003 wandten sich monatliche Montagsdemos gegen den Sozialkahlschlag, und am 9. August 2004 begannen die regelmäßigen Montagsdemonstrationen und entstand eine bundesweite Bewegung, die am Anfang 250.000 Leute auf die Straße brachte und in 150 Städten stattfand. Weg mit Hartz IV – diese Forderung war von Anfang an unser Ziel und ist aktuell geblieben – gegen Niedriglöhne, Leiharbeit, Arbeit zu Sklavenbedingungen. Heute müssen zwei Millionen Arbeiter in den Betrieben mit staatlicher Unterstützung ergänzen, um überhaupt auf das Existenzminimum zu kommen. Sechs bis sieben Millionen leben von Leiharbeit – mit Verdiensten zwischen 3 und 14 Euro. Vollzeitarbeitsplätze fallen weg und sind Teilzeitarbeit gewichen. Das Märchen von der Schaffung von Arbeitsplätzen durch Hartz IV hat sich wie von uns vorausgesagt als Lüge erwiesen, und viele seiner Erschaffer wurden ihrer scheinbar weißen Westen entledigt und mussten schon abtreten.
Ulja Serway als Vertreterin der bundesweiten Montagdemo und Thomas Kistermann als Moderator führten auf eine Reise durch 10 Jahre. Was haben wir nicht schon alles gemacht! Vom Anti-Hartz-IV-Camp bis zur Fahrt nach Straßburg gegen die Bolkestein-Richtlinie, vom Urlaub a la Hartz IV mit Swimmingpool auf der Bahnhofstraße bis zur Buchlesung mit dem Autor der Buches „Arm durch Arbeit“, Markus Breitscheidel, von den jährlichen Fahren nach Berlin bis zu unserer Initiative 2006 “Die Welt zu Gast bei Antifaschisten”, wo wir während der Fußballweltmeisterschaft Flagge gegen Faschisten zeigten. Wir sind selbstbewusst und stolz auf unseren Widerstand! Fast 200.000 Menschen in rund 700 Städten gingen auf die Straße, als 2011 in Fukushima sich die größte Atomkatastrophe ereignete. Seitdem ist Montag unser Tag des Widerstands.
Die Mitstreiter von Kumpel für AUF gratulierten mit einem Liederpotpourri – vor einem Jahr auf der Fest der Montagsdemo hatte die Aufdeckung des Giftmüllskandal durch den Bergmann Christian Link Fahrt aufgenommen, die Presse berichtete. Kumpel für AUF stand von Anfang an fest zur Montagsdemo gegen Hartz IV – als die IGBCE wie auch andere Gewerkschaften sich für Hartz IV positionierte, ohne je die Mitglieder zu fragen, zogen sie klar Kante – und kämpfen für ihre Arbeitsplätze und für die soziale Frage, was für nicht voneinander zu trennen ist. Genauso wie man Arbeitlose und derer, die Arbeit haben, nicht auseinander reißen darf. Von dieser Armutspolitik sind alle betroffen! Dass bis heute sich keiner getraut hat, die Kumpels auf einmal auf die Straße zu setzen, sieht Christian Link als einen Erfolg auch der Montagsdemo, weil nicht nur im Betrieb, sondern auch in der Bevölkerung die wichtigen Fragen diskutiert werden.
Geburtstagsgrüße kamen auch von den griechischen Stahlarbeitern. Panagiotis Katsaros. selbst schon einmal zu Gast bei uns auf der Montagsdemo schreibt: „Ich kann Euch sagen, dass ich begeistert war von der solidarische Auseinandersetzung und dem respektvollen Umgang miteinander. Zum Schluss möchte ich Euch bitten, setzt Euren Kampf fort, so wie Ihr es seit 10 Jahren tut. Die Regierungen und die Kapitalisten sollen sehen, dass wir stark sind und erhobenen Hauptes kämpfen.“
Viele weitere Gratulanten warteten am offenen Mikrofon, der Frauenverband Courage, AUF Gelsenkirchen, Solidarität International. Die Hasseler Mieterinitiative überreichte uns Rosen – wir bedankten uns bei allen Gästen mit einem leckeren Fingefood-Buffett und gegrillten Thüringern. Die Spendenkasse klingelte, das wird zur Finanzierung der Fahrt nach Berlin zur nächsten großen Herbstdemonstration der bundesweiten Montagsdemobewegung fahren und Mitstreiter dafür gewinnen. „Die Montagdemo“, führte Esther Engel als Kassiererin aus, „hat noch nie ein Haushaltsloch gehabt und ist der bürgerlichen Haushaltsführung haushoch überlegen.“ Das Plus von jetzt 1200 Euro kommt aus vielen einzelnen Spenden auf jeder Montagsdemo.
Die internationale Seite war seit 2004 mit Beginn ein fester Bestandteil der Montagsdemo und hat in diesem Jahr deutlich an Gewicht gewonnen, mit dem Kampf für die Befreiungsbewegungen in Syrien, in Kurdistan, in Palästina, Freunde aus den unterschiedlichsten Ländern feierten das Fest gemeinsam.
Einen jungen Überraschungsgast bescherte uns der Zufall – eine 10 Jahre junge Dame trug spontan mit ihrer begeisternden Stimme zur Musik von CD zur Feier bei „I’m your lady“ und „rolling in the deep“ klang es bis weit über den Platz der Montagsdemo hinaus – ein großer Applaus war der Dank und ohne Zugabe ließen wir sie nicht gehen. Zusammen mit ihrer Familie blieb sie bis zum Ende des Festes.
Einige Mitstreiter feierten in Gedanken mit uns – und wir freuen uns auf ihre Berichte von ihren Reisen und Aktivitäten.
Zwei kurze Schauer konnten unsere Feier- und Tanzlaune nicht schmälern, unser „Regentanz“ hat wohl geholfen, die Wolken schnell wieder zu vertreiben. Mit dem Lied „Auf uns“ ging es los – und bis in den Abend hinein war gemütliches Beisammensein mit alten und neuen Freunden angesagt, begleitet von den Klängen von „atemlos durch die Nacht“ …
„Nichts ist unmöglich, wenn Du es wirklich wagst, die Gipfel zu erklimmen“, die Montagsdemo macht sich auf in ihr nächstes Jahr.

Thomas Kistermann
Martina Reichmann

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