24.07.2014 Leserbrief FAZ

Toni Lenz 24.7.14

Hauptstr. 40, 45879 Gelsenkirchen,
Tel: 0209/ 54299
e-mail: lenz.weber@t-online.de
An die Frankfurter Rundschau
Leserbrief
zum Gastbeitrag „Die unheilige Allianz“ in der FR vom 22.7.14, S. 7

Diffamierung berechtigter Proteste

Über 700 Palästinenser sind inzwischen der Aggression des israelischen Militärs gegen die Bevölkerung im Gaza-Streifen zum Opfer gefallen – überwiegend Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder. Gegen diese Menschenverachtung gibt es weltweit Massenproteste, völlig zurecht.
In seinem Gastbeitrag stellt der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman die Proteste in Deutschland dar als vom Antisemitismus geprägt und vergleicht sie mit den Pogromen des Hitler-Faschismus. Gegen diese Diffamierung protestiere ich entschieden. Ich unterstreiche die Worte von Wolfgang Benz in der FR vom 23.7., dass „die israelische Regierung ein Interesse daran hat, dass jede Kritik an ihren Handlungen als Antisemitismus verstanden wird.“ Dies verfolgt keinen anderen Zweck, als die Proteste kleinzukriegen und den Terror der israelischen Regierung ungehindert weiterzuführen.
Der Botschafter will eine „unheilige Allianz“ von „Islamisten, Neonazis und extremen Linken“ ausgemacht haben, und dies u.a. „in der Innenstadt von Gelsenkirchen“. Als Teilnehmer der Gelsenkirchener Montagsdemo bin ich über diese Verunglimpfung empört. Wir haben nun schon den 2. Montag hintereinander gegen die israelische Aggression demonstriert, unter Ausschluss von Faschisten und religiösen Fundamentalisten. Wir kritisieren auch die provokative Politik der Hamas, lehnen jede Gleichsetzung der israelischen Bevölkerung mit der Regierung ab, und sind solidarisch mit der Friedensbewegung in Israel selbst.
Natürlich muss man sehr wachsam sein, wenn Faschisten versuchen sich unter Demonstranten zu mischen und das verhindern. Die wichtigste Maßnahme dazu ist die Durchsetzung des Verbots aller faschistischen Organisationen und der Verbreitung ihres Gedankenguts – wozu Antisemitismus gehört. Das wird gerade von der Bundesregierung, die heuchlerisch die Proteste verunglimpft, bis heute verweigert.
Montagsdemos finden im Übrigen in über 100 Städten in Deutschland statt und es wäre dem demokratischen Anspruch der Frankfurter Rundschau angemessen, darüber zu berichten.

Comments are closed.