Montagsdemo Bochum: Krankenschwestern können auch streiken

Aktionskreis Bochumer Montagsdemo

Krankenschwestern können auch streiken

Zum Thema „Rechte der Frau“ entwickelte sich eine interessante Diskussion auf der Montagsdemo. Mehrere Frauen meldeten sich zu Wort. Einer der Moderatoren äußerte sich vor Beginn der Debatte: „Heute geht es um die Rechte der Frauen. Auch in Deutschland werden viele Frauen gegenüber den Männer diskriminiert, in dem sie z.B. für die gleiche Tätigkeit schlechter als Männer bezahlt werden. Außerdem sind bedürftige allein erziehende Mütter (auch Väter) so gut wie entrechtet, denn die Transferleistungen reichen nicht für ein menschenwürdiges Leben. Daneben wird die Frau oft als Sexsymbol missbraucht, besonders Ausländerinnen ohne sicheren Aufenthaltsstatus.“

Nach dem Singen der Eingangshymne stellte eine Rednerin fest: „In Großbetrieben wie z.B. Bochumer Verein Verkehrstechnik werden zwar weibliche und männliche Auszubildende gleich bezahlt, das gilt auch für die Anschlussbeschäftigung. Jedoch haben Männer eindeutig Vorrang auf besser bezahlte Jobs und Aufstiegschancen. Doch immer mehr fortschrittliche Frauen schließen sich zusammen, um für ihre Rechte zu kämpfen. Zum Zeitpunkt des Internationalen Frauentags, 8.3.17, gehen daher mehrere Frauenverbände in Bochum auf die Straße bzw. sind Ständen vor Ort ( am Massenbergboulevard). Außerdem gibt es eine Protestkundgebung, an der sich mehrere Frauenorganisationen beteiligen, z.B. Courage. Am Samstag zuvor, 4.3.17, ruft die Gleichstellungsstelle der Stadt Bochum zu Aktivitäten auf“.

Eine weitere Rednerin berichtete von einem abscheulichen Mord in Bochum: „In der Nacht zum Sonntag (12.02.) wurde auf der Rottstr. eine 79jährige getötet und ihr Ehemann schwer verletzt. Die Täter drangen von außen in die Wohnung ein. Ich fordere alle auf, wachsam zu sein und niemanden ins Haus zu lassen, wenn er völlig unbekannt ist und einen Bewohner nicht über die Schelle erreicht. Sollte etwas Verdächtiges in der Nähe eurer Wohnung bemerkt werden, ruft bitte sofort die Polizei!“

„Der Widerstand gegen Unrechtregime geht häufig von den Frauen aus. In den USA protestierten an erster Stelle zigtausend Frauen gegen Trump. In Polen brachten viele Frauen das Verbot einer Abtreibung zu Fall. Auch in zahlreichen anderen Ländern kämpfen fortschrittliche Frauen um ihre Rechte, Ausgebeutete in den Betrieben streiken, besonders in Fernost“, hieß es in einer weiteren Wortmeldung.

Eine Montagsdemonstrantin diskutierte mit einer Passantin und berichtete: „Diese Frau ist allein erziehende Mutter und in der Produktion bei der Universität angestellt, sie bekommt rd. 900,00 Euro netto. Damit kommt sie mit ihrem Kind kaum über die Runden (trotz Kindergeld). Das geht vielen anderen allein erziehenden Müttern ebenso. Ich bin Erzieherin bei der Stadt Bochum und erlebe die Armut der Kinder täglich mit. Viele Kinder kommen z.B. im Winter mit Sommerschuhe, weil deren Eltern es sich nicht leisten können, entsprechende Schuhe für ihre Kinder zu kaufen. Kinderschuhe sind zudem recht teuer! Ebenfalls gehöre ich der Gewerkschaft Ver.di an und begrüße die jetzigen Streiks im öffentlichen Dienst!“

Einer der Moderatoren meinte: Das Kranken- und Altenpflegepersonal darf nicht streiken, weil dadurch die Patienten in Gefahr sind. Stattdessen müssten andere Bereiche, wie z.B. die Müllabfuhr so lange streiken, bis entsprechend mehr Personal in Krankenhäusern und Pflegeheimen eingestellt wird.“

Eine Montagsdemonstrantin, die Krankenschwester ist, konterte: „Auch Krankenschwestern- und Pfleger können streiken, ohne dass ein Patient stirbt. Eine Notfallversorgung ist sichergestellt. Das haben unsere Kolleg-innen im Charité in Berlin bewiesen. Im Übrigen stößt das Pflegepersonal gerade in Not- oder Nachtdiensten an die Grenze der Belastbarkeit bzw. ist schon überlastet. So muss z.B. eine Nachtschwestern zwei Stationen (oder mehr!) mit einem oder zwei Praktikanten betreuen, darum kümmert sich selbst bei Tarifverhandlungen niemand“.

Die Erzieherin ergänzte: „Auch uns wurde vermittelt, dass wir nicht streiken dürften. Wir sind trotzdem in den Streik getreten und haben unsere Forderungen in wesentlichen Teilen erkämpfen können. Dabei gab es Kooperationen mit den betroffenen Eltern der Kinder, die in unserer Kita einen Platz haben“.

Ein Redner erwähnte die prekäre Situation der Frauen um ihr Sorgerecht für ihre Kinder bei einer Scheidung. „Vor einiger Zeit war hier in der Nähe vor dem Gericht eine Protestaktion von geschiedenen (bedürftigen) Müttern, denen das Sorgerecht über ihre Kinder willkürlich von den Behörden und dem Familiengericht entzogen wurde. Viele Kinder wurden bei Pflegeeltern untergebracht, ohne überhaupt die Eignung dieser Personen zu prüfen. Die Kinder litten entsprechend und wollten zu ihrer Mutter zurück. Teilweise wurden sie durch ihre Pflegeltern, die Alkoholiker waren, misshandelt“.

Alle Montagsdemonstranten riefen sowohl die Frauen mit ihren Kindern, aber auch Männer dazu auf, an den Aktionstagen der kämpferischen Frauenbewegungen teilzunehmen. Der Kampf der Frauen für ihre Befreiung nimmt weltweit zu und auch in den Entwicklungsländern konnten einige Verbesserungen erkämpft werden. In regelmäßigen Abständen findet eine Weltfrauenkonferenz in unterschiedlichen Staaten, z.B. in Indien statt, an der sich Vertreter zahlreicher internationaler Frauenorganisationen beteiligen“.

Mit der Abschlusshymne endete die Kundgebung. Die Montagsdemo am 27.02.17 fallt wegen Rosenmontag aus, stattdessen treffen sich die Montagsdemonstranten zum gemütlichen Beisammensein, das Thema für die Montagsdemo am 13.03.17 lautet: „Kampf der Korruption in der Politik und Wirtschaft“ am Beispiel der Massendemonstrationen in Rumänien gegen die Legalisierung von „kleiner“ Korruption.

Ulrich Achenbach
Moderator

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