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21.05.2012 Bochum: Belegschaft von Opel lässt sich nicht spalten

Bei sommerlichen Temperaturen versammelten sich rd. 40 Leute, um über das Thema Nr. 1 in den Medien – Zukunft der Opel-Werke – zu diskutieren.

„Heute morgen gab es eine Betriebsversammlung im Bochumer Opel Werk I. Die Belegschaft forderte von der Opel-Geschäftsführung eine klare Aussage über die Zukunft des Bochumer Werks, dazu wollte sich der Geschäftsführer Strack nicht äußern“, eröffnete einer der Moderatoren die Debatte, „näheres können sicher die Kollegen von Opel sagen“.

„Die Stimmung unter den Arbeitnehmern war sehr kämpferisch. Nach Auskunft von Herrn Strack wird auf der Aufsichtsratssitzung am 26.6.12 darüber entschieden, wo das Modell Opel Zafira demnächst gebaut wird. Solange wollten viele Beschäftigte nicht warten und machten deutlich, dass bald die Bänder still stehen werden“, berichtete ein Betriebsratsmitglied von Opel.

Ein anderer Beschäftigter erläuterte die Spaltungsversuche von General Motors zwischen den Arbeitnehmern der Werke in Ellersport/England und Bochum. „Wenn ihr zu weiteren Zugeständnisse wie Verlängerung der Arbeitszeiten und Lohnverzicht bereit seid, wird die Produktion des Nachfolgemodells Opel Astra nach England vergeben. Ähnliche Sprüche wird es auch im Werk Glewice/Polen gegeben haben. Noch vor kurzem erklärte GM, dass das Werk in England geschlossen werden soll. In einer Nacht- und Nebelaktion sollten die Mitarbeiter von Ellersport erpresst werden. Da es so gut wie keinen Kontakt zum Werk England gibt, reisten zwei Delegierte, u.a. ein Montagsdemonstrant aus Hattingen, nach England, stellten sich dort vor das Werkstor und kamen auch mit den Beschäftigten ins Gespräch.

Am letzten Wochenende, noch vor der Betriebsversammlung in Bochum, fand in München ein internationaler Automobilarbeiter-Ratschlag statt. Das Ziel ist die Vorbereitung des gemeinsamen internationale Kampf gegen Werksschließungen und Arbeitsplatzvernichtung. An dieser Veranstaltung nahmen auch mehrere Opelaner von Bochum teil.

In einer Wortmeldung eines Teilnehmers hieß es: „Zu dem Treffen in München kamen Delegierte aus Spanien (Werk Sargarossa), Polen, Brasilien und sogar Russland und Indien. Sie berichteten, dass die Arbeitgeber die Belegschaften genauso zu spalten versuchten wie in Deutschland. Überall wurde jedoch Widerstand geleistet. Auch die Kollegen aus dem Werk Rüsselsheim, die ebenfalls vor Ort waren, solidarisierten sich mit den anderen. Es sieht zur Zeit gut aus, dass wir alle Betroffenen in einem Boot bekommen“.

Die Bochumer Montagsdemo rief in Absprache mit Betriebsratsmitgliedern von Opel Bochum zur Solidarität von außen auf (Kundgebung am Montag, 21.5.12, um 7.00 Uhr vor dem Opel Tor 4 in Bochum-Laer). Eine entsprechende Rundmail ging an verschiedene Organisationen und Parteien. Diese Kundgebung wurde ein voller Erfolg, denn rd. 120 Menschen kamen, darunter auch die Delegationen vom Automobilratschlag in München, die extra nach Bochum weitergereist sind.

„Im Gegensatz zur politischen Prominenz wie Hannelore Kraft wurde kein Externer in das Opel-Werk gelassen, selbst nicht die Ehepartner der Beschäftigten oder ausgeschiedene Opel-Mitarbeiter. Die Tore blieben zu. Wie in einer Bananenrepublik versuchte man die Teilnehmer an der Belegschaftsversammlung und die Demonstranten abzuschotten, dazu wurde das Tor 4 sogar mit schwarzen Stoffbahnen verhüllt“, sagte ein Vertrauensmann.

Eine Rednerin meldete sich: „Auch die Frauengruppe Courage beteiligte sich an der Solikundgebung und bot Kaffee, Kuchen und andere Getränke gegen Spende an. Der Kaffee war in Nu alle, spontan spendete ein Rechtsanwalt, der seine Praxis in der Nähe hat, vier Kannen neuen Kaffee. Außerdem gab es weitere Spenden von Bewohnern des Stadteils Laer“. Eine weitere Montagsdemonstrantin bemerkte: „Es kann so nicht weitergehen, dass Arbeitnehmer untereinander ausgespielt werden. Heute sagt man zu den Opel-Kollegen in Bochum, sie können in Rüsselsheim weiterbeschäftigt werden, morgen sollen vielleicht die Rüsselsheimer woanders hingehen. Da muss viel mehr gekämpft werden!“

„Obwohl bisher noch nicht von Streik gesprochen wurde, zeichnet sich ab, dass spätestens nach dem 26.6.12 so wie 2004 oder mit noch härteren Mitteln wie Blockaden oder ähnliches gekämpft wird“, sagte ein weiterer Opelaner.

Ein Vorstandsmitglied der Sozialen Liste informierte: „Am Samstag, 26.5.12, hat die Soziale Liste einen Stand zum Thema Opel in der Ladenzone von Bochum-Laer (Lahariplatz) von 10.00 Uhr bis 13.00 Uhr. Es sind alle herzlich eingeladen“.

Ein anderer Montagsdemonstrant nannte den Termin einer Soliveranstaltung für die Opel-Beschäftigten. Diese Veranstaltung u.a. auch mit ausländischen Gästen findet am Dienstag, 22.5.12 um 18.30 Uhr in der Gaststätte Tamarinde, Bessemer Str/Ecke Maxstr. statt.

Eine Tierschutzorganisation hatte in der Nähe des Husemannplatzes einen Infowagen und bat die Montagsdemo darum, über den Lautsprecher Passanten aufzurufen, Unterschriften bei dieser Tierschutzorganisation gegen Massentierhaltung zu geben. Diese Bitte wurde selbstverständlich erfüllt.

Wegen der Teilnahme mehrerer Opel-Arbeiter und Montagsdemonstranten an dem mehrtägigen Automobilarbeiter-Ratschlag und der Betriebsversammlung in Bochum machte sich eine verständliche Müdigkeit breit. Deshalb blieb es heute bei der Kundgebung am Husemannplatz.

Wegen Pfingsten findet die nächste Montagsdemo erst in zwei Wochen, also am 4.6.12, statt. Neben den weiteren Ereignissen bei Opel wird dann auch über die aktuelle Rechtsprechung des Bundessozialgerichts zur Größe der angemessenen Unterkunft für Hartz IV – Empfänger diskutiert.

Wie immer endete die Montagsdemo mit der Abschlusshymne – diesmal wegen Fehlen des Gitarristen a kapella.

Die Moderatoren
Ulrich Achenbach
Paul Fröhlich

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