Pressemeldung zur 410. Saarbrücker Montagsdemo

Pressemeldung zur 410. Saarbrücker Montagsdemo gegen die Hartz-Gesetze am 04. Mai 2015

Das Herz konnte Einem heute aufgehen bei den Statements der Passanten am offenen Mikrofon zu ihrem eigenen Urteil über den Streik der Lokführer!
Mehrere Zehntausend Malocher – streikende Lokführer, Zugbegleiter, Servicekräfte- werden über die Medien unisono gemobbt und die SPD-Führung mit Sigmar Gabriel stellt sich höchstpersönlich an die Spitze der Hetze gegen diese Leute. Und was passiert auf der Montagsdemo, mitten auf der Bahnhofstraße? Die Saarbrückerinnen und Saarbrücker sehen’s zum großen Teil anders, ungerührt von all dem Trommelfeuer.
Teils ganz leise, aber bestimmt, teils mit Argumenten erhärtet, teils nur mit dem Daumen nach oben tun sie vielfach kund:
„Dass 1.800 Vollzeitstellen geschaffen werden können – und müssen! – statt 3 Millionen Überstunden des Zugpersonals wie eine Bugwelle vor sich her zu schieben, das ist eine wesentliche Forderung der Lokführer“.
„Und das kommt den arbeitslosen Jugendlichen zugute. Ich bin 23 Jahre alt und bekomme Hartz IV, weil ich mich als Bürokraft immer wieder vegeblich bewerbe. Als „U-25“ darf ich mir nicht mal eine eigene Wohnung nehmen, das ist eine Art Entmündigung, gegen die ich mich wehre“, sagte eine junge Frau.
„Ich arbeite im größten Saarbrücker Metallbetrieb und bei meinen Kollegen kommt Wehmut auf, wenn sie über die GDL sprechen: So eine Gewerkschaft brauchen wir auch, nämlich eine, die kämpft, das ist auch eine Kritik an der IG Metall“, meinte ein Mann. „Der Streik richtet sich auch direkt gegen diese Regierung, denn die Bahn ist trotz Börsengang immer noch mehrheitlich Staatsbetrieb“.
„Flagge zeigen, anders geht es nicht“, usw. usw.

Eine junge Lehrerin aus Ägypten, die den arabischen Frühling selbst miterlebt und mitgestaltet hatte am Tahirplatz in Kairo, meldete sich leidenschaftlich zu Wort: „Es macht keinen Sinn, immer nur scheibchenweise zu streiken – wenn, dann muss das am Stück sein und hart und so lange, bis die Forderungen durchgekämpft sind. In der BRD ist scheinbar alles demokratisch – die Wirklichkeit aber ist, Ihr werdet manipuliert, ganz subtil davon abgehalten, Eure Visionen Wirklichkeit werden zu lassen“. Und in einem weiteren Redebeitrag: „Revolution ist die einzige Möglichkeit, ein besseres Leben für’s Gros der Bevölkerung zu erstreiten. Wir haben den Mubarak verjagt, dann den Mursi und nun müssen wir mit al-Sisi mit einem Vertreter des Mubarak-Regimes leben – aber war die Revolte deshalb sinnlos?“
„Das war sie nicht, auch Niederlagen können später zu Siegen werden, wenn sie richtig verarbeitet werden. Danke für diesen Hauch arabischer Frühling, der hier auf der Saarbrücker Bahnhofstraße angekommen ist“.
„Viel Geduld und Vorbereitung ist nötig, so einfach geht das nicht mit Revolutionen“, wandte jemand ein und ein anderer wies einmal mehr auf die Situation in Kobane hin, wo nach dem Sieg der PKK / YPG über die IS-Faschisten nun der Wiederaufbau begonnen hat. „Auch aus Deutschland, auch aus Saarbrücken, werden von Juni bis September internationale Brigadenden den Aufbau eines Krankenhauses unterstützen – an Pfingsten gibt’s Gelegenheit, beim Pfingstjugendtreffen in Gelsenkirchen Leute aus diesem Holz zu treffen“, sagte er.

Auch die aktuelle Arbeitslosenstatistik wurde diskutiert und das Unwesen der „Sagesa“ als reaktionäre Antwort auf den Linkstrend in der Bevölkerung qualifiziert.
Am Schluss ergriff ein ganz junges Mädchen aus einer Gruppe, die zu Beginn der Montagsdemo ein Tänzchen aufgeführt hatte, das Wort. Es wurde ganz ernst und sagte: „Es ist sehr schwer ohne Geld in der Familie. Sie kann uns Kindern dann nichts geben“.
Eine tolle Montagsdemo war’s – und 21, 10€ Spenden kamen zusammen.
Die nächste findet statt am 1. Juni um 18:00 – Start bei der Europagalerie.
Vorher aber findet noch am 18. Mai ein Vorbereitungstreffen im Café Jederman statt – um 17:00.

Bis demnächst,
Ciao,
i.A. Sabine

s. fricker www. montagsdemo-saar.de

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