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Montagsdemo am 04.6.2012 in Esslingen

Heute versammelten sich knapp dreißig interessierte Teilnehmer und Teilnehmerinnen zur 329. Montags-demo in Esslingen. Fast alle Anwesenden beteiligten sich an der sehr lebhaften Diskussion.

Thema Nummer 1 war Schlecker. Zu einem Thema zwei kamen wir eigentlich nicht. Natürlich ist die Zerschlagung von Schlecker kein Einzelfall auf der Welt. Heute erinnert sich kaum noch jemand, wie 1990 die Volkswirtschaft der DDR zerschlagen wurde. Erst spät dämmerte vielen Bundesbürgern: „und denen wollten wir das Arbeiten beibringen“. Es waren nicht die Arbeiter, die die Betriebe heruntergewirt-schaftet haben – es waren vielfach erst die eigenen Manager! Heute sind die Griechen diejenigen, die das Arbeiten angeblich erst lernen müssten. Dass dem nicht so ist, darüber unterhielten wir uns ebenfalls. Und dass die Schlecker-Verkäuferinnen die Läden heruntergewirtschaftet hätten – nein, das hat niemand kolportiert!

Die Schleckerfrauen, die sich nicht zu ihrer Entlassung obendrein verhöhnen lassen wollten und vor das Arbeitsgericht zogen, sollen nun an der Pleite schuld sein! Eine Frau berichtete von der Bundesdelegierten-konferenz von Courage und einer Schleckerfrau, die dort teilgenommen hatte. Eine Passantin steckte dem Versammlungsleiter einen Artikel aus der BILD zu, in dem stand, wie es der „armen“ Familie Schlecker geht, die monatlich 70 000 Euro in den … Rachen geschoben kriegt. Die Frauen, die jahrzehntelang den Reich-tum des Anton Schlecker schufen, die sollen jetzt mit lächerlichen 500 Euro Abfindung abgespeist werden!
Dass mit Lohnverzicht keine Arbeitsplätze zu retten sind, wurde (leider) erneut bewiesen.
Angesprochen wurde weiterhin, dass im Fall der Zerschlagung des Euro die Banken nach Meinung der Re-gierenden keinen Cent Verlust hinnehmen brauchen. Ein Rentner erinnerte an die „Rettung“ der Hypo-Real-Estate. Er selbst bekam nach 45 Jahren Arbeit, als er mit 63 Jahren in Rente ging, noch sieben Prozent Kürzung. Andere sind noch keine 55 und dürfen mit einer knappen halben Million Jahresrente in den Ruhe-stand gehen. Ein Invalide erzählte, wie er von den Ämtern verschaukelt wird und bis heute keinen Cent an Leistungen gesehen hat.
Ein Teilnehmer informierte über den Streik der griechischen Stahlarbeiter, den Anlass des nun über sie-benmonatigen Kampfes, die materiellen Nöte der Streikenden und die breite Solidarität. Es ist der gleiche Kampf wie bei Schlecker: Es geht darum, die rigorose und einseitige Abwälzung der Krisenlasten auf die Masse der Bevölkerung zu verhindern. Deshalb wird dieser Arbeitskampf in den hiesigen Medien totge-schwiegen, deshalb gibt es für die Schleckerfrauen noch nicht einmal Geld für eine Transfergesellschaft, deshalb werden die kämpferischen Schleckerfrauen als angeblich Schuldige an den Pranger gestellt, des-halb wird mit allen Mitteln versucht, die Arbeiter im Opel-Werk in Bochum ruhig zu halten. Das alles zeigt, welche Angst die mächtigen in dieser Gesellschaft haben, die breiten Massen könnten von der Unzufrie-denheit und den Kämpfen überall in Europa und in der Welt erfahren und lernen. Die Erfahrung zeigt, dass dort, wo gekämpft wird, die Arbeitsplätze am sichersten sind!
Von mehreren Teilnehmern wurde angesprochen, wie faul das ganze System ist. Eine Teilnehmerin brachte die Sache auf den Punkt und forderte eine Gesellschaft ohne Unterdrückung und ohne Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, den echten Sozialismus. Wie andere Menschen das nennen, ist nicht so wichtig. Wichtig ist, dass es um eine Gesellschaft geht, in der der Mensch im Mittelpunkt steht im Einklang mit der Natur.
Spontan wurde beschlossen, heute für die griechischen Stahlarbeiter zu sammeln. Es kamen über zwanzig Euro zusammen! Ebenso spontan wurde beschlossen, zum Abschluss unserer heutigen Kundgebung die Schlecker-Filiale am Schelztor zu besuchen. Mit der Verkäuferin gab es gute Gespräche, wurde doch jetzt ein Betriebsrat gegründet! Außen am Geschäft waren Ver.di-Unterstützerbuttons angebracht.
Für den Invaliden gibt es auch Unterstützung, ein arbeitsloser Kollege hat morgen auch dort einen Termin und wird ihn zum Arbeitsamt begleiten. Im Gegenzug ist es gut, dass er dann auch nicht allein ist.

Ich hoffe, ich habe keine wichtigen Sachen vergessen. Es war eine Veranstaltung, in der trotz der schlech-ten Perspektive, vor der die Schleckerfrauen stehen, Zuversicht und Kraft für kommende Auseinanderset-zungen geschöpft wurde.

Euer Heribert

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